Titan-Rohmaterial und präzise bearbeitetes Titanbauteil

Werkstoffe · Titan

CNC Fräsbearbeitung von Titan

Titan verbindet geringes Gewicht, hohe Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit. In der CNC-Zerspanung verlangt der Werkstoff stabile Prozesse, passende Werkzeuge und eine saubere Planung vom Halbzeug bis zur fertigen Serie.

Warum Titan eine eigene Bearbeitungsstrategie braucht

Bei Titan entscheidet nicht allein die Geometrie des Bauteils über die Fertigungsstrategie. Wärmeentwicklung, Werkzeugstandzeit, Spannverhältnisse, Materialverfügbarkeit und die konkrete Titanlegierung beeinflussen den Prozess besonders stark.

Für präzise Titanbauteile braucht es deshalb eine Kombination aus scharfen und stabilen Werkzeugen, kontrollierter Schmierung, sicheren Aufspannungen und einer Bearbeitung, die Schnittkräfte und Temperatur zuverlässig im Griff behält.

Werkstoff Reintitan und Titanlegierungen Prozess CNC-Fräsen und Drehfräsen Fokus Wärme, Standzeit und Stabilität Ziel präzise, sichere Serienbauteile

Artikel zur Titanbearbeitung

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Diese Übersicht ist als wachsender Bereich für Beiträge zur CNC Fräsbearbeitung von Titan angelegt. Neue Artikel können später als weitere Kacheln ergänzt werden.

01

Besonderheiten bei der Titanbearbeitung

Weshalb Wärme, Werkzeugstandzeit, Werkstoffqualität und stabile Spannverhältnisse bei Titan besonders wichtig sind.

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02

Titan Grade 2 präzise zerspanen

Warum zähes Reintitan angepasste Bearbeitungsfolgen, sichere Entgratprozesse und stabile Drehfrässtrategien braucht.

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03

Titan Grade 2: Toleranzbereiche und Zerspanbarkeit

Warum Schwankungen bei Zugfestigkeit und Rp0,2 Schnittkräfte, Werkzeugstandzeiten und Prozessstabilität beeinflussen.

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FAQ Titan-Zerspanung

Häufige Fragen zur CNC-Bearbeitung von Titan

Antworten auf typische technische Fragen zur Titanbearbeitung. Die Antworten sind im HTML hinterlegt und werden im Akkordeon nur ein- und ausgeklappt.

Welche Titanwerkstoffe und Legierungen bearbeiten Sie?

Wir bearbeiten reines Titan (Grade 1–4) ebenso wie die gängigen Titanlegierungen. Am häufigsten gefragt ist Ti-6Al-4V (Werkstoff 3.7165, Grade 5) mit rund 6 % Aluminium und 4 % Vanadium – die meistverwendete Legierung in Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigungstechnik. Reines Titan und Legierungen verhalten sich in der Zerspanung unterschiedlich; wir wählen Schnittdaten und Werkzeuge passend zum konkreten Werkstoff und Bauteil.

Warum gilt Titan als schwer zerspanbar?

Titan leitet Wärme schlecht. Beim Zerspanen wird daher nur ein kleiner Teil der entstehenden Wärme über den Span abgeführt – ein großer Teil bleibt an der Schneide und führt zu hoher thermischer Belastung. Hinzu kommen die hohe Warmfestigkeit, die Neigung zur Kaltverfestigung und die chemische Reaktionsfreudigkeit des Werkstoffs. Diese Kombination erfordert abgestimmte Schnittdaten, stabile Maschinen, scharfe Werkzeuge und eine konsequente Kühlung. Genau dafür ist unsere Fertigung ausgelegt.

Mit welchen Schnittgeschwindigkeiten wird Titan bearbeitet?

Deutlich langsamer als Stahl, aber abhängig von der Strategie. Beim klassischen Vollnut- oder Konturfräsen mit großem radialem Eingriff liegen die Schnittgeschwindigkeiten bei Ti-6Al-4V typischerweise bei etwa 45–70 m/min. Beim trochoidalen Fräsen mit kleinem radialem Eingriff lässt sich die Schnittgeschwindigkeit deutlich anheben, weil die Wärme pro Schneideneingriff begrenzt bleibt und das Werkzeug Zeit zum Abkühlen hat.

Trochoidales Schruppen, Beispiel-Startwerte (Ti-6Al-4V, VHM-Fräser Ø 12 mm, 4–5 Schneiden, mit Hochdruck-Innenkühlung):

Parameter Richtwert
Schnittgeschwindigkeit vc ca. 130–150 m/min (Beispiel 140 m/min)
Drehzahl n bei vc 140 ≈ 3.700 min⁻¹
Radialer Eingriff ae klein, ca. 1,0–1,5 mm (≈ 8–12 % von D)
Axiale Schnitttiefe ap groß, ca. 18–24 mm (≈ 1,5–2 × D)
Vorschub pro Zahn fz ca. 0,06–0,10 mm/Zahn (Beispiel 0,08 mm)
Vorschub vf (4 Schneiden, fz 0,08) ≈ 1.180 mm/min

Das Prinzip dahinter: kleiner ae, dafür hohes vc und volle Schnitttiefe über die Werkzeuglänge. So bleibt die thermische Schneidenbelastung niedrig, während das Zeitspanvolumen hoch bleibt. Wegen der Spanverdünnung beim kleinen ae kann der programmierte Vorschub gegenüber dem Tabellen-fz angehoben werden.

Wichtig: Das sind Startwerte zur Orientierung, keine garantierten Schnittdaten. Die konkret fahrbaren Werte hängen von Maschinensteifigkeit, Spannmittel/Werkzeughalter, verfügbarem Kühldruck, Auskraglänge sowie der genauen Legierung und Werkstoffcharge ab. Wir legen die Schnittdaten bauteil- und prozessspezifisch aus und sichern sie über Standzeit- und Prozessüberwachung ab.

Warum ist die Kühlung bei Titan so wichtig?

Weil die Wärme kaum über den Span abfließt, muss sie aktiv von der Schneide weggeführt werden. Wir setzen auf gezielte Hochdruck-Innenkühlung (IKZ): Der Kühlschmierstoff wird mit hohem Druck direkt an die Schneide gebracht. Das senkt die Temperatur, sorgt für kontrollierten Spanbruch und einen zuverlässigen Spanabtransport aus der Bearbeitungszone. In der Praxis verlängert das die Werkzeugstandzeiten erheblich und stabilisiert den Prozess. Eine unterbrochene oder unzureichende Kühlung ist bei Titan dagegen ein echtes Risiko.

Stimmt es, dass Titanspäne brennen können?

Ja. Titan ist reaktionsfreudig; bei hohen Temperaturen kann es sich entzünden. Besonders feine Späne sind kritisch und können größere Spanansammlungen mit entzünden. Wir begegnen dem mit konsequenter Kühlung, kontrolliertem Spanbruch, geeigneten Schnittdaten und einem prozesssicheren Spanmanagement. In einer professionell ausgelegten, gekühlten und automatisierten Fertigung ist die Bearbeitung von Titan sicher beherrschbar.

Welche Werkzeuge, Beschichtungen und Schneidstoffe verwenden Sie für Titan?

Wir arbeiten mit feinkörnigem Vollhartmetall in titangeeigneten Geometrien: scharfe Schneiden, positiver Spanwinkel, variabler Drall- und Teilungswinkel zur Schwingungsdämpfung sowie innere Kühlmittelzufuhr. Werkzeuge werden gewechselt, bevor sie stumpf werden, weil stumpfe Schneiden bei Titan zu Reibung, Hitze und Kaltverfestigung führen.

Beschichtungen: Für Titan bewähren sich oxidations- und warmfeste PVD-Schichten, vor allem AlTiN bzw. TiAlN, je nach Anwendung auch AlCrN. Für reines Titan (Grade 1–4) kommen teils auch scharf geschliffene, polierte oder dünn beschichtete Geometrien zum Einsatz, um Aufbauschneiden und Verkleben zu vermeiden.

Bewährte Werkzeuglinien (Beispiele, je nach Operation und Bauteil):

Hersteller Linie Einsatz
WIDIA Hanita VariMill / VariMill Xtreme variabler Drall, asymmetrische Nuten – vielseitiges Schruppen/Schlichten, dynamisches/trochoidales Fräsen
Seco (Jabro) Jabro-Solid2 JS554 (universell), JS564 / JS565 (Schruppen mit Spanteiler) Solid2 für allgemeine Titanbearbeitung; JS564/565 für trochoidales Schruppen mit langer Schnittlänge
Seco (Jabro) Jabro-HPM JHP770 / JHP780 High-Performance-Machining, hohe Zerspanvolumina
Walter Prototyp MD173 Supreme (7-schneidig, mit Spanbrecher) Schruppen/hohe MRR in Titan und hochwarmfesten Legierungen
Walter Prototyp MD177 Supreme (7-schneidig) Schlichten, sehr gute Oberflächen ohne „Waterlines"

Die genaue Werkzeug- und Beschichtungsauswahl treffen wir je nach Legierung (Reintitan vs. Grade 5), Operation (Schruppen, Schlichten, Tasche, Wand) und Bauteilsteifigkeit.

Was bedeutet Kaltverfestigung bei Titan – und wie vermeiden Sie sie?

Titan verfestigt an der Oberfläche, wenn die Schneide die gleiche Stelle mehrfach „streichelt", statt sauber Material abzunehmen. Die verfestigte Randzone erschwert dann die folgenden Schnitte und verschlechtert die Oberfläche. Wir vermeiden das durch eine definierte Mindestspanstärke, geeignete Werkzeuggeometrien und stabile, durchgängige Schnittbedingungen – also bewusst keine zu geringen Vorschübe.

Lässt sich Titan trocken bearbeiten?

Für eine professionelle, prozesssichere Serienfertigung ist das nicht zu empfehlen. Ohne ausreichende Kühlung steigen Werkzeugverschleiß, Temperaturbelastung und Brandrisiko deutlich. Wir bearbeiten Titan grundsätzlich mit abgestimmter, leistungsfähiger Kühlung.

Wie halten Sie enge Toleranzen bei Titanbauteilen ein?

Lokale Wärme und Eigenspannungen können bei Titan zu Verzug führen. Wir berücksichtigen das bereits in der Arbeitsvorbereitung: durch eine geeignete Bearbeitungsstrategie, abgestimmte Spannkonzepte, kontrollierten Wärmeeintrag und – wo nötig – mehrstufige Bearbeitung. Geprüft wird taktil mit Toleranzen unter 10 µm; bei kritischen Merkmalen stimmen wir Prüfplan und Messmethodik mit Ihnen ab.

Für welche Branchen fertigen Sie Titanteile?

Schwerpunkte sind Medizintechnik, Rüstungs- und Verteidigungstechnik sowie weitere Branchen mit hohen Anforderungen an Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Biokompatibilität. Titan kommt überall dort zum Einsatz, wo geringes Gewicht, hohe Festigkeit und Beständigkeit gefragt sind.

Was sollte ich für eine Anfrage zu Titanteilen mitschicken?

Hilfreich sind Zeichnung und/oder 3D-Modell (STEP), die genaue Werkstoffangabe (z. B. Ti-6Al-4V / 3.7165 / Grade 5), Stückzahl, geforderte Toleranzen und Oberflächen sowie der gewünschte Liefertermin. Bei Werkstoffen mit längeren Lieferzeiten übernehmen wir auf Wunsch auch die frühzeitige Planung der Beschaffung.